Das Leben des Junkies

Ich führe das Leben eines verdammten Junkies. Ich konsumiere, was mir nicht gut tut, was mich kaputt macht. Das weiß ich. Aber ich komme von dem Zeug nicht los. Jeden Tag nehme ich mir aufs Neue vor, dass der heutige Tag anders wird, dass ich standhaft bleibe, dass ich das Zeug nicht brauche. Dass es mir ohne sogar besser geht. Und jeden Abend schwitze ich dann voll mit Gewissensbissen und Schuldgefühlen vor meinem Online-Fitnesskurs und würde am liebsten noch Stunden Sport machen, damit ich meine Sünden wieder kompensieren kann. Jeden morgen, wenn ich auf die Waage steige (und ich weiß, dass ich das nicht jeden Tag tun soll, dass das Gewicht schwankt…), wachsen die Schuldgefühle, das schlechte Gewissen und die Hoffnung, dass ich es an diesem Tag anders mache in unerkenntliche Höhen.

Ich war mal so gut drauf, habe so gut mitgehalten. Brauchte das ganze Zeug nicht (das brauche ich heute noch nicht, aber ich nehme es einfach und denke nicht nach…denke nicht mit, sondern reagiere…wie ein Roboter….wie in Trance) und fühlte mich super. Ich will das alles nicht mehr! Ich weiß verdammt noch mal, dass es mir schadet, dass ICH es bin, die was ändern muss, denn von alleine passiert nichts. Ich will nicht mehr dahin, wo ich mal war. Ich will weiterkommen und nicht grundlos in alte und falsche Muster zurück fallen. Ich will nicht schon wieder versagen. Nicht schon wieder hören müssen, dass ich so viel fresse, wobei ich doch abnehmen will. Ob ich es aufgegeben hätte, weil ich bisher noch nicht an meinem Ziel bin. Die Stimmen sind vielfältig und viele sprechen mir in all ihrer Gemeinheit aus meiner Seele. Mein Kopf sagt: „Hör auf zu Fressen“ und dennoch fresse ich einfach weiter.  Automatisch.

Ich will das alles nicht mehr. Will mich nicht vollstopfen. Will nicht in jedem Blick und in jeder Situation nur nach Zucker suchen…ich habe so viel Zucker in den letzten Wochen gegessen. Es muss Schluss sein. Ich will, dass Schluss ist! Ich muss was ändern! Nicht irgendwann. Nicht morgen…. HEUTE. JETZT. HIER!

Ich will kein Junkie mehr sein. Ich will nicht mehr süchtig sein von Dingen, die mir schaden. ich will das alles nicht mehr….

 

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2 Gedanken zu “Das Leben des Junkies

  1. Hallo Daniela,

    ich ziehe meinen Hut vor so viel Ehrlichkeit. Und gleichzeitig tut es mir so leid, zumal man hinter den Worten eine dicke junge Frau vermuten möchte, die du gar nicht bist!

    Ich glaube so wie dir geht es ganz vielen. Ich glaube aber nicht, dass das eine persönliche Schwäche ist und ich glaube auch nicht, dass du da alleine durch musst.
    Deine Begleitung sollten aber sicher nicht die „abnehmenden“ dünnen Frauen aus dem Internet sein, die utopische Bilder vermitteln, sondern Menschen, die dich ehrlich schätzen und eine gesunde Sicht auf das eigene Leben – eine, die auch die Vorzüge deines Körpers kennt und nicht dramatischer wirkt als die Realität.
    Das klingt jetzt vielleicht ganz schräg, aber als Psychologin kann ich dir auch ans Herz legen mit einer solchen zu sprechen. Das ist leider oft etwas negativ belegt, aber die Wahrheit ist, dass so ausgebildete „Begleiter“ wissen, dass nicht du selbst das Problem bist und dir bei diesem Prozess zu dir und deiner Traumfigur garantiert helfen können (Mit der richtigen Diagnose vom Hausarzt wird das sogar von der Kasse gezahlt).

    Wie immer du weiter gehst: Ich wünsche dir ganz viel Erfolg! Du schaffst das 😉

    LG

    Gefällt 1 Person

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