Perfekt oder nicht perfekt. Das ist hier nicht die Frage.

Decker verhält sich weiterhin ruhig. Das beunruhigt mich ein bisschen, denn so entgültig hat sie noch nie die Klappe gehalten. Meistens waren immer Beschimpfungen oder Flüche zu hören. Aber so völlig ruhig habe ich sie in den ganzen 30 Jahren noch nie erlebt. Vielleicht ist sie gar nicht da? Aber wo sollte sie denn hin?


Seit über einer Woche habe ich  mich nicht mehr gewogen. Ich hatte nicht das Bedüfnis, denn es ging mir sehr gut. Es geth mir sehr gut. Diese Frühlingsgefühle verschaffen mir einen ungemeinen Auftrieb. Einen Elan, eine Freude, die ich schon lange nicht mehr hatte und die ich vielleicht immer gesucht habe.  Einerseits rechne ich jetzt schon wieder mit einer derben Enttäuschung und auf der anderen stark überwiegenden Seite wünsche ich mir einfach nur, dass es endlich mal so läuft, wie ich es mir wünschen würde. Genau jetzt. Genau hier. Und genau mit den Menschen, mit denen ich es mir vorstelle. Es gibt etwas völlig neues in meinem Leben, was sich Hoffnung schimpft. Überzeugte Hoffnung. Gefühlte Hoffnung. Und das ist ein wahnsinnig schönes und beruhigendes Gefühl. Irgendwie war oder bin ich momentan mit meinem Körper im Reinen. Und auch mit meinem Geist. Mit mir. Wenn auch nicht zu 100% zufrieden, aber mal ehrlich, wer ist das schon? Und was ist schon perfekt?

Bin ich perfekt, wenn ich kein Gramm Fett an meinem Körper habe? Oder bin ich perfekt, wenn ich Rundungen haben. Wenn sich Orangenhaut über meine Oberschenkel breitet? Für manche ist das perfekt. Für manche ist das auch einfach nicht wichtig. Fällt es zum Beispiel Männern auf wenn eine Frau Cellulite hat? Oder ist das nur etwas, was Frauen selbst auffällt und sie zum Lästern bringt? Hat schon mal jemand einen Mann gehört, der sagte „Wow schau mal die an, die hat voll die Cellulite – die mag ich nicht kennenlernen“ Also ich nicht. Zumindest hat es noch keiner zu mir oder über mich gesagt. Und ich habe Cellulite. Am ganzen hinteren Oberschenkel. So what. Ich sehe es ja nicht und ganz ehrlich, ich betrachte meine Kehrseite ziemlich selten im Spielgel. Bin ja nicht Kim Kardashian und so einen großen Spiegel habe ich auch nicht ständig zur Verfügung.

Was ist für euch perfekt? Findet ihr euch perfekt?

Und was bedeutet schon perfekt? Für mich klingt das ziemlich langweilig. Wenn alles so ist, wie ich es gerne hätte, macht es das für mich nicht gerade sexy oder ansprechend. Ich bin nicht perfekt. Ich werde es auch nie sein. Zumindest nicht für mich. Ich kenne mich. Ich hätte immer was zum motzen und mäkeln. Selbst wenn ich 60 Kilo hätte. Dann würde dennoch dieses und jenes nicht stimmen. Für mich werde ich nie perfekt sein und so möchte ich lernen und zeigen, dass ich mich so liebe wie ich nun mal bin. Nicht perfekt. Laut. Manchmal zu laut. Ehrlich. Manchmal zu ehrlich. Tollpatschig. Komplett ungeduldig. Nervtötend. Kreativ. Selbstsicher aber nicht immer selbstbewusst. Lustig, witzig und sarkastisch. Intelligent (ja, bin ich auch). Clever und manchmal echt eingebildet und/oder egoistisch. Ich bin hübsch und sehr kurvig. Mein Bauch schwabbelt, meine Oberschenkel haben Cellulite und meine Brust ist zu groß für Körbchen A und zu klein für Körbchen B. Ich habe tolle Haare (momenten etwas kürzer als sonst), ich kann mich super schminken und man sollte mir besser nicht ungeschminkt begegnen (weil man mich dann nicht erkennt). Ich kann absolut keinen Nagellack auftragen und male alles an außer meine Nägel. Ich bin zu doof um mir tolle Frisuren zu zaubern und freue mich, wenn ich es schaffe, meine Haare zur Seite zu drehen und diese auch mit Haarklemmen zu befestigen (was nicht immer klappt). Wenn ich jemanden toll finde (also Männer) werde ich sofort rot. Auch Aussenstehende sehen es mir an, dass ich nervös werde und die Coole Daniela dann mal recht schnell auf halber Strecke liegen bleibt und der grunzende Nerd das Steuer übernimmt. Manche finden das süß. Manche sind manchmal echt wenig. Ich stehe für die Menschen ein, die ich mag. Auch wenn der Typ doppelt so schwer und doppelt so alt ist wie ich. Dennoch drohe ich ihm Schläge an. Ja, ich bin aufbrausend und kann manchmal ziemlich schnell aggressiv werden. Meist kühle ich genauso schnell auch wieder ab. Ist es mal nicht so, sollte man seinem Fluchtinstinkt trauen.

Es gibt so viel tolles an mir, dass ich mich an manchen (wenigen) Tagen echt frage, warum ich eigentlich Single bin (bis mir auffällt, dass ich zu alledem auch noch echt wählerisch bin).


Perfekt ist eine Bezeichnung, ein Wort, welches ich eigentlich gar nicht mag. Es bezeichnet einen eher unerreichbaren Zustand, der ehrlichgesagt wenig erstrebenswert ist.  Klar, auch ich habe meine Tage an denen ich perfekt sein möchte. Perfekt für mich. Perfekt für einen bestimmten Menschen. Perfekt für eine bestimmte Zielgruppe. Perfekt um dazu zu gehören. Aber wenn wir uns mal die Menschen ansehen, die in der heutigen Zeit als perfekt gelten, dann fällt mir auf, dass diese Menschen wenig perfekt sind. Nehmen wir Kim Kardashian. Ohne Frage eine wunderschöne Frau, aber nicht perfekt – ehrlich gesagt. Sie hat zu viel Gewicht, ihr Hintern ist zu fett und irgendwie kommt sie dumm rüber. Dennoch ist sie perfekt. Weil sie mit sich im Reinen zu sein scheint. Sie zieht sich (meist) toll an und macht, dass bei ihrem Anblick die Zeit ein klein bisschen stehen bleibt. Das habe ich nie geschafft. In aller Munde und absolut perfekt: Cara Delevinge. Abgesehen davon, dass sie sehr androgyn ist und damit wenig weibliche Rundungen hat und mit ihren Augenbrauen eher aussieht wie eine Kreuzung aus Theo Weigel und Bert aus der Sesamstraße. Aber sie ist perfekt und wunderschön. So wie sie ist. Weil sie so ist wie sie ist, sich so nimmt, ihre Vorzüge in den Mittelpunkt stellt und einfach ein großes F*** you in die Menge rotzt. Auch etwas, was ich bisher nicht konnte.

Als ich noch fett war, war mein Selbstbewusstsein größer. Sehr oft frage ich mich, warum das so war. Teilweise habe ich darauf Antworten. Beispielsweise habe ich mich damals einfach so genommen wie ich war. Ich war fett und Punkt. Ich kann nichts kaschieren und auch wenn ich schwarz trage macht das keinen großen Unterschied. Zudem war es mir egal, was andere denken, denn ich wusste eh, was genau in den Köpfen bei meinem Anblick vor sich geht. Und ich habe drauf gepfiffen. Ich wusste auch, dass Männer nicht nach mir schauen und nicht auf mich stehen, nichts von mir wollen. Heute bin ich unsicherer. Ich bin eigentlich schlank, man sieht, dass ich traniere und dennoch meine Problemzonen habe. Überall könnten potenzielle Partner unterwegs sein (obwohl ich mich momentan nur für einen interessiere – was mich gleich noch unsicherer macht). Manchmal wünsche ich mir, ich wäre wieder so rotzig wie damals, als es für mich noch keinen Sinn machte, Hoffnung zu haben….

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