Gestern habe ich angefangen über Perfektion zu schreiben. Über Perfektion kann man, wie über Humor und Geschmack streiten. Was ist schon perfekt? Ich wurde noch nie von jemanden abgelehnt, weil ich nicht perfekt war. Zumindest hat es sich noch keiner getraut es mir ins Gesicht zu sagen. Ich würde es nicht als Beledigung ansehen, denn auch ich empfinde mich nicht als perfekt. Und wetten, mein Gegenüber, der meint mich aufgrund von Perfektion bewerten zu müssen, ist auch nicht perfekt? Vielleicht in den Augen seiner Frau oder Freundin. In den Augen seiner Eltern, aber womöglich in den Augen von 98% der Menschheit ist er nicht mal annähernd perfekt. Und diese 98% sind darüber hinaus nicht mal relevant, weil er die sowieso nicht kennt. Genauso wie ich die Menschen nicht kenne, die mich nicht toll finden. Ich kenne ja nicht mal die Menschen, die mich toll finden. Zumindest nicht alle.

Wenn ich jammere über mein Aussehen, spaltet sich die Meinung meiner Leserschaft in mehere Lager. Die einen finden, dass ich viel zu streng mit mir bin und doch zufrieden sein soll mit dem was ich erreicht habe – besonders im Bezug auf den Anblick, den ich noch vor 5 Jahren bot. Wieder andere finden meine Ehrlichkeit und meinen „Mut zur Hässlichkeit“ extrem super – was auch immer das heißen mag. Ganz andere, meist sehr gruselige Leute, finden – und das ohne mich zu kennen – das ich vollkommen perfekt bin und sie froh wären, so zu sein wie ich oder mich zu kennen (Würde das ein ganz bestimmter sagen – also mich zu kennen und nicht so sein zu wollen wie ich – würde mich das sehr freuen. Bei den anderen ist das relativ gruselig). Ganz andere sagen, dass ich eigentlich gar nicht so unzufrieden bin und einfach alles gerne zu überspitzt darstelle – das Leid des Autors sozusagen. Da schreibt man einmal was überspitzes und schon nimmt dich keiner mehr ernst *zwinker*. Und zu guter Letzt kommt die Leserschaft, die zwar ganz heiß auf neue Geschichten wartet, der es aber im Endeffekt egal ist, wie ich mich finde oder wie ich aussehe. Sie hoffen einfach, dass ich lustig schreibe und sie sich 5 Minuten von ihrem Leben ausklinken können. Toller Haufen, oder? Und ich mag jeden einzelnen von ihnen. Auch wenn ich sie nicht kenne *gruselig*

Letztens habe ich meinen ach-so-tollen-und-perfekt-flachen-Bauch gezeigt, über den sich einige Leser einer Frauenzeitung ausgetauscht haben. Von Photoshop und ähnlichem war die Rede und einerseits finde ich das echt amüsant. Gerade ich soll meine Bilder photoshoppen. Den gestrigen Zuschriften zum Anlass möchte ich heute etwas über Cellulite zeigen und sagen. Die Lager haben sich gemeldet und verkündet, dass sie auf meinen Bildern gar keine Cellulite erkennen können. Und das freut mich wirklich, denn ich wäre echt verzweifelt, wenn meine meine Orangenhaut durch meine Jeans durch sehen könnte. Besonders auf den Fotos, auf denen man meinen Körper gar nicht sieht. Es gibt Gründe, warum ich mich ab Bauchnabel nur selten zeige – Cellulite, Orangenhaut und echt schwammiges Gewebe an den Beinen. Die haben aber auch viel durchmachen müssen in den letzten Jahren. Erst waren sie prall mit Fett gefüllt, dann wurden sie weniger und voller Freude musste ich erkennen, dass auch die Haut wunderbar mit zurück ging. Ich konnte kurze Hosen und Röcke tragen – das war 2011 bis 2012. Dann wurde ich schwanger und alles, was ich nicht wollte, trat ein. Wieder wurden Oberschenkel und Hintern prall, praller und kurz vorm Platzen kam mein Sohn auf die Welt. Irgendwann ging das Pralle weg, aber die Haut blieb genau da, wo sie war. Ende der Geschichte: die Haut an meinen Schenkeln und am Hintern schwabbelt und hat Orangenhaut. „Normal“ würden einige sagen. Ja sicher ist das normal, aber halt auch ziemlich unschön, finde ich. Die Zeit der kurzen Hosen und Röcke ist damit vorbei. Immerhin konnte ich knapp 1 Jahr in meinem Leben auch mal untenrum was kurzes tragen – ist doch nett und sehr schade.  Zwar mache ich Sport, versuche diese Körperregionen zu straffen und irgendwie kann ich mir einbilden, dass es auch besser geworden ist, aber ich weiß, dass ich es nicht mehr wegbekomme. Vielleicht kann ich es kaschieren, vielleicht kann ich was nicht allzu kurzes tragen wo die Cellulite nicht mehr so dolle aussieht und vielleicht macht ein bisschen Selbstbräuner alles noch einen Hauch angenehmer, aber weg gehen wird es nie wieder. Gut, ich muss auch dazusagen, dass ich aus dem Alter der allzu kurzen Röckchen und Hosen raus bin und dass ich mich in allzu knappen sowieso Outfits ziemlich unwohl fühle. Aber leider gibt es ja auch Kleidung, in denen man krasse Cellulite durchsehen kann. Leggings zum Beispiel oder Jeggings und wie das straffe Zeug alles heißt. Steht mir gut – von vorne. Wenn ich mich dann mal doch von hinten sehen sollte, ist das meist keine schöne Angelegenheit. Mir ist aufgefallen, dass sich Männer dafür gar nicht interessieren. Die sehen meinen Hintern und denken „geil“ (weil er angezogen ist), aber ich, ich weiß wie das Ding aussieht und ich mag es gar nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe ein Foto gemacht. Es schmeichelt mir nicht und es zeigt mich von einer definitiv nicht schönen Seite. Es zeigt etwas, was viele Frauen kennen und selbst besitzen und es zeigt etwas, für das ich mich nicht mehr schämen will. Es ist eben so wie es ist. Ich bin so wie ich bin. Und auch wenn ER das sehen sollte (was er nicht tut – heute mal Gott sei Dank), muss ich in Kauf nehmen, dass er es vielleicht nicht toll findet. Das tue ich auch nicht. Aber ich muss nicht alles an mir toll finden, um mich zu lieben. Und das tue ich. Obwohl oder vielleicht genau deswegen.

Achtung: Dieses Bild wurde im Kontrast verändert, aber nicht gephotoshoppt!
Achtung: Dieses Bild wurde im Kontrast verändert, aber nicht gephotoshoppt!
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