Mitten im Tunnel – Mitten im Nichts

Mitten im Tunnel – Mitten im Nichts

Man merkt nicht nur an meiner Stimmung, an meinen Reaktionen oder meinem Aggessivitätspotenzial, dass es mir schlecht geht, sondern auch an meinem Körper. Abgesehen davon, dass ich seit Wochen nur mehr ungeschminkt rumlaufe (und eigentlich gehe ich nie ungeschminkt aus dem Haus, aber im Moment kann ich mich einfach nicht aufraffen oder sehe sonderlich großen Sinn darin), habe ich auch zugenommen. Nicht unerheblich. Sieben Kilo! Ich habe eine Grenze überschritten, die ich nicht mehr überschreiten wollte, aber im Moment kann ich mich gegen diesen Prozess nicht wehren. Ich habe einfach keine Kraft, mich aufzuraffen.

Meine Freundin sagt, dass ich eh nicht abnehmen kann, während ich krank bin und dass ich im Moment nur auf mich schauen sollte und nicht auf meinen Abnehmprozess oder Äußerlichkeiten. Dabei dachte ich, dass ich was für mich tue, wenn ich Abnehme und mich fit halte.

Anscheinend habe ich mich geirrt, denn all das hat mich nicht davor bewahrt, wieder krank zu werden. Ich muss sagen, dass ich im Moment auch gar nicht den Kopf dafür habe, mich um meinen Körper zu kümmern. Nicht, dass es mir egal ist, aber ich fühle mich als ich ob ich machtlos neben mir stehe und mich still beobachte, als wäre ich in einem Museum. Anfassen verboten! Abgesehen davon fehlt mir jegliche Motivation. Anscheinend befindet die sich, wie alle anderen im Sommerurlaub oder ist mit meinem Besten nach London gefahren und einfach dort geblieben.

Klar, die letzten Wochen und Monate waren verdammt stressig für mich und ich habe noch immer nicht gelernt, ein Ventil für meinen Stress zu finden. Ich weiß nur, dass Sport bei mir nicht hilft (Ich mache ihn gerne und power mich aus aber kompensieren kann ich damit nichts). Schon vor vielen Wochen habe ich gemerkt, dass ich unaufhaltsam wieder auf diesen Tunnel zusteuere aus dem es kein Entrinnen gibt. Und nun befinde ich mich mittendrin. Kein Licht zu sehen. Nicht mal ein Schimmern. Ich habe lange versucht, mich dagegen zu wehren, Dinge zu ändern um mich auf andere Gedanken zu bringen, meinen Körper zu entlasten und alles nicht so eng zu sehen wie mein Geist es mir zeigt. Bis zu dem Punkt an dem ich merkte, dass es so eng ist und dass etwas anderem bedarf als nur Einsatz und Motivation. Mein Fell ist nicht so dick wie alle denken und ich bekomme mehr mit, als ich mir anmerken lasse besonders wenn Dinge so offensichtlich passieren, wie sie passierten. Anstatt zu kämpfen, aufzustehen und mich zu behaupten, bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Eine Art Selbstschutzmechanismus schaltete sich ein und legte mein komplette System lahm. Was erst wie eine kleine Erschöpfung begonnen hat, steigerte sich zum kompletten BlackOut und in diesem befinde ich mich noch immer. Es scheint, als stehe ich ständig unter Strom. Bin nur noch agil und hetze von einer Minute zur nächsten. Als würde mich jemand jagen. Ich finde nur schlecht wirkliche Entspannung. Oder Ruhe. Es ist wie eine Hexenjagt und ich bin die Hexe, die verzweifelt ihren Besen sucht….

Meine Tage gestalte ich so stressfrei wie möglich, was nicht immer klappt. Am Besten geht es mir, wenn ich mit meinem Sohn Zeichentrickfilme schauen kann oder wir Legomonster bauen (ich baue, fotografiere und er zerstört laut feixend). Klar merke ich Abends, dass auch das mich schafft, aber nicht so wie alle die Scheiße der letzten Monate. Seiner kann ich mir gewiss sein. Er meint was er sagt und tut und reagiert in keinster Weise berechnend oder fordernd. Er nimmt alles so wie es ist und findet noch in der kleinsten Sache ein tolles Wunder! Das finde ich faszinierend und es tut gut ihm zuzusehen wie er einfach er sein kann ohne unter Druck gesetzt zu werden. Ich würde auch gerne so leben, aber jeder weiß, dass das als Erwachsener nicht mehr möglich ist. Es gibt mehr zwischen Nimmerland und Entenhausen, was man da draußen tun muss. Leider. Es tut mir gut, mit meinen Freunden zu reden oder zu schreiben. Mich auszutauschen und abgelenkt zu werden. Selbst über neidvolle Bilder und tolle Geschichten aus London freue ich mich riesig, auch wenn ich sie nicht selbst erlebt, sondern nur selbst gelesen habe. Schreiben macht mir auch Spaß. Lässt mich nicht zur Ruhe kommen, aber hilft mir, meine Gedanken schweifen zu lassen. Leider habe ich kaum Zeit zu schreiben.

Ansonsten bin ich sehr faul. Ich kann mich für Sport oder sonstige körperliche Anstrengungen nicht motivieren. Es geht einfach nicht. Wie oft habe ich mir in den letzten Wochen meinen Wecker früh gestellt, um Pilates zu machen und wie oft habe ich ihn mitten in der Nacht wieder ausgestellt, weil ich ohnehin zu Uhrzeiten ins Bett gehe, wo andere schon wieder aufstehen oder ich Sport machen wollte. Ich lebe in den Tag hinein, weil es einfach die stressfreiste Methode ist und mir irgendwie gut tut. Ich will im Moment nicht nachdenken oder Probleme jonglieren.

Am liebsten hätte einfach nur meine Ruhe, einen großen Karton Lego Duplo, ein Piratenschiff, Pfefferminztee und natürlich meinen Sohn, der meine Bauwerke wieder kaputt macht, sobald sie fertig sind.

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