In Ketten gelegt

In Ketten gelegt

Sobald man nicht körperlich sondern psychisch krank ist, wird man von 98% der Menschen für verrückt, unzurechnungsfähig und minderwertig gehalten. Und genauso wird man auch behandelt. Anscheinend ist die Gesellschaft der Meinung, dass psychisch kranke Menschen keine gute Behandlung benötigen und das finde ich echt unter aller Sau. Ich stehe drüber, wenn die Apothekerin extra langsam und deutlich mit mir redet, damit ich ja alles verstehe und es ist auch ok für mich, wenn sie es mir extra noch aufschreibt. Inzwischen bin ich das gewohnt. Was mich aber wirklich ankotzt, sind die Menschen, die diese Krankheit ins Lächerliche ziehen, die meinen, man würde simulieren und wäre gar nicht wirklich krank und man würde sich nur eine schöne Zeit machen wollen. Die Menschen, die einen belächeln und bei denen man immer das Gefühl hat, sie würden dich verspotten.

Solche Menschen sind wirklich verletzend und wer meint, man würde in so einer Situation gar nichts mehr fühlen, der irrt. Man fühlt alles und wahrscheinlich intensiver als sonst. Was dumme Menschen mit ihren überflüssigen Kommentaren anrichten können, ist teilweise verheerend. Ich möchte gar nicht zu stark darauf eingehen oder diese Krankheit als Hauptbestandteil dieses Blogs aufnehmen, allerdings möchte ich sie als Teil von mir und meiner Geschichte ansprechen. Auch diese Krankheit wird mich prägen und mich weiter zu diesem Menschen bringen, der ich sein sollte und der ich in Zukunft sein werde. Auch wenn es jetzt schlimm ist und ich so manche schwarze Tage hinter mir und vor mir habe, weiß ich, dass ich irgendwann einen Weg finden werde, damit zu leben. Ich habe Menschen an meiner Seite, die mich nicht für verrückt halten und mich trotz allem noch ernst nehmen und wertschätzen. Obwohl ich so bin oder vielleicht gerade deswegen und das macht meine grauen Tage und fratzenverzerrten Gedanken ein bisschen besser, auch wenn ich weiß, dass nur ich mich aus diesen Ketten befreien kann.

Allerdings nicht heute.

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3 Gedanken zu “In Ketten gelegt

  1. Mein „Lieblingssatz“ in diesem Zusammenhang ist „Jetzt reiß dich doch mal zusammen“, als ob eine psychische Erkrankung wie ein Splitter im Arm wäre, den man einfach so herausreißen kann.. Über so etwas wird meistens nicht gesprochen und wenn, dann weiß die Person meistens nicht, wovon sie redet.
    Ich bin depressiv und auch wenn ich glaube, dass diese schwarze Wolke wohl nicht so schnell verschwindet, ist es wunderbar, wenn man Menschen hat, die einen akzeptieren und lieben.

    Gefällt 1 Person

  2. In Ketten gelegt.. Dieses Gefühl kenne ich, gerade jetzt habe ich mal wieder so ein Tiefpunkt und ich dachte ich wäre auf dem dem Weg nach Besserung. Hatte schließlich 5 Wochen Klinik hinter mir :-(. Deine Worte kommen mir bekannt vor und NEIN ich halte dich nicht für verrückt!

    Gefällt 2 Personen

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