Unsichtbar

Unsichtbar

Im Moment mache ich mich rar. Es wird mir einfach alles zu viel. Das Gerede der Leute ist unerträglich. Jeder hat irgendeinen Schwachsinn zu erzählen, den im Endeffekt eh keiner interessiert. Und wer interessiert sich schon für das, was ich zu erzählen habe? Ich schaue kein Fernsehen mehr und ich höre auch keine Musik (außer die, die mein Kind gerne hört und zum Einschlafen braucht). Auch bei meinen Freunden habe ich mich fast unsichtbar gemacht. Nicht, dass sie mir zu viel werden, aber ich kann mich einfach nicht auf das, was sie mir zu erzählen haben konzentrieren. Ich will sie auch nicht enttäuschen, indem ich plötzlich verschwinde – das haben sie nicht verdient. Gut, natürlich haben sie auch nicht verdient komplett ignoriert zu werden, aber sie wissen, warum ich momentan lieber mit mir und meinem Kind alleine bin.

Ich fange gerade an, einige meiner alten Gewohnheiten zu ändern. Einfach weil sie mir nicht mehr gut tun oder weil sie mich schlicht überfordern. Ich versuche mehr spazieren zu gehen. Nicht, weil ich es unbedingt selbst möchte, aber weil mich meine Mutter dazu drängt und auch mein Sohn sich freut, wenn er Enten füttern darf. Und diese Enten – so blöd wie das jetzt klingt – tun mir wirklich gut. Auch wenn sie viel schnattern und ständig an meiner Hose zerren, weil sie noch mehr Brot haben wollen, so wirken sie doch irgendwie beruhigend auf mich. Für einen kurzen Moment bin ich nicht gehetzt und nicht gestresst und kann mich befreit mit meinem Kleinen über die Tiere freuen.

In der letzten Zeit denke ich auch viel nach. Über das was kommen soll und was passiert ist, dass es so kam, wie es jetzt ist. Eigentlich finde ich den Menschen, der ich jetzt bin ja gut und bereue auch meine Entscheidungen aus der Vergangenheit nicht – zumindest nicht alle. Und an meiner Persönlichkeit und meinem Charakter möchte ich auch nichts ändern und dennoch bin ich momentan in dieser Situation. Ich weiß und merke, dass Dinge geändert werden müssen, aber nicht direkt an mir, sondern an den Umständen und den Zwängen, die mich so weit brachten, die Dämonen wieder aus dem Keller zu lassen.

Die Dämonen außerdem sind nicht weniger geworden. Sie furzen noch immer auf meine Couch, fressen meinen Kühlschrank leer und rülpsen, dass sich die Balken biegen. Sie gehören schon zum Inventar. Momentan sind sie allerdings auch nichts, was ich unbedingt loswerden muss, denn so viel Stress wie die letzten Monate vor ihrem Ausbruch, machen sie mir nicht. Zumindest nicht heute.

Advertisements

Kommentiere hier...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s